erstellt von M. Baxmann
  Bericht: Segeltörn  Sardinien und Korsika 2009 
     oder:  . . .  "dass wir das noch erleben durften !"
 

 
          19. September  bis  03. Oktober 2009
 
Wer etwas Außergewöhliches erleben will,
muss eine außergewöhnliche Situation suchen.
            Sergius Golowin (Mythenforscher)
 
Hafen
Hafen-Panorama    

 
Wie sehr dieses Zitat von Golowin zutreffen sollte, erfuhren wir gleich zu Anfang unseres Mittelmeer-Törns. Mit unterschiedlichsten Vorstellungen und doch einem gemeinsamen Leitspruch:  'Urlaubssegeln',  starteten 15 Segelfreunde am Düsseldorfer Flughafen ihre Reise nach Sardinien. Am Spätnachmittag des 19. September in Olbia/I angekommen, brachte uns ein Großraumtaxi zum ca. 16 km entfernten Standorthafen, der Marina Porto Portisco. Hier durften wir gleich unsere deutschen Tugenden neu überdenken, da unsere gecharterten Yachten erst am Folgetag abgenommen wurden.
 
Die Übergabe unserer Jeanneau, einer Sun Odyssey 43 aus dem Jahre 2004 (nomen est omen?), hatte es in sich: Funkgerät konnte senden aber nicht empfangen, Seeventile teilweise verkrustet und ließen sich nicht richtig schließen, ein elektronisches Außengerät, der 2. Windmesser, ausgefallen. Die Liste wurde länger und das Ergebnis: ein verlorener Tag durch Instandsetzungsarbeiten.

 
Dann sollte es endlich los gehen, doch es stellte sich nach mehreren Manövern heraus, dass auch die Logge nicht funktionierte. Unser Skipper Thomas zeigte hier seine besonderen Fähigkeiten. Zurück in den Heimathafen zur Reparatur, wir würden heute noch darauf warten. Der Skipper hat die mit Wasserpocken total verkrustete Logge selber gereinigt, mit einem Schraubenzieher !

     Reparatur im Mast
Reparaturarbeiten im Mast  

 
Wir verabredeten uns mit den anderen Schiffen zur ersten Ankerbucht unseres Törns, Porto Palma an der vorgelagerten Insel Caprera.  Endlich angekommen: eine malerische felsige Bucht, blauer Himmel, das Meer mit Badetemperatur, laue Nacht im Herbst und gute Laune aller Seebären und Meerjungfrauen. Doch der kommende Tag sollte uns noch sehr nachdenklich machen.
 
Früh morgens erfuhren wir, dass auf unserem 3. Schiff, der MOULLICONE, in der Nacht ein Unfall geschehen war. Manches Mal sind Engel zur rechten Zeit am rechten Ort. Gabi, unsere „Bord“-Ärztin von der CARIBIA, konnte die medizinische Grundversorgung leisten, bevor der Patient, einer unserer 15 Segelfreunde, in Cala Cavetta auf der Isola La Maddalena ins Krankenhaus gebracht wurde (Oberschenkel-Halsbruch).
 
Wir sind alle froh später zu erfahren, dass der Patient auf dem besten Wege ist. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen und wir konnten endlich daran denken, unserem Urlaubsvergnügen nachzugehen. Wie war das noch mit dem Eingangszitat ?  -  Wir erinnern uns . . .
 
an der Boje

Erholung von den ersten Tagen  

 
In einer Bucht zwischen den Inseln Isola Razzoli/Isola Budelli und Isola Santa Maria, in der Cala G. Marino, lagen die Yachten ROMA und CARIBIA vor Anker und die Crews erholten sich von den ersten 3 Tagen. Es sollte sich zeigen, dass wir ein „Dream-Team“ auf der ROMA sein sollten: hervorragender Skipper, eine miteinander sehr gut harmonierende Crew, hervorragende Küche und gute Laune bei allen. Auf der CARIBIA ist es nicht anders gewesen.
 
Es wurde nicht nur in schönen Buchten geankert, dabei gab es überall sehr gut ausgebaute Festmachebojen und nur 2 mal mussten wir richtig ankern, sondern die Kultur wurde ebenso gepflegt. Schon einmal Richtung Korsika unterwegs, interessierte uns auf dieser Reise die Geburtsstadt Napoleons I. und so fuhren wir in den Hafen von Ajaccio ein. Vieles wurde schon über Napoleon geschrieben und gesagt, neu ist, dass man einen Gen-Test machen kann, um festzustellen, ob man ein Nachfahre von ihm ist.
 

Napoleons Geburtshaus in Ajaccio  

 
Nur zu romantisch lassen uns Bilder von Fischern und ihren Booten im Hafen glaubhaft machen, was das doch für ein "Traumjob" sein müsste. Fisch ist in aller Welt auf dem Speiseplan so stark vertreten, dass unsere Meere fast leergefischt sind. So haben es gerade einheimische Fischer schwer, ihr geregeltes Einkommen zu sichern. In der Verfilmung der Novelle von Ernest Hemingway, „Der alte Mann und das Meer“ wird aber gerade der menschliche Kampf mit den Launen der Natur sichtbar. Doch lassen wir unserer Fantasie freien Lauf  . . .
 
Fischer auf Korsika

Fischer auf Korsika  

 
Werner versprach, für die Mannschaft ein korsisches Fischgericht zu bereiten. Dazu werden die Kräuter Rosmarin und Thymian benötigt, Mehl zum Panieren, korsischer Ziegenkäse und . . .  Sardina pilchardus – auch Europ. Sardine genannt. Der Fisch wird mit dem kräuterbehandelten Ziegenkäse gefüllt, dann in Mehl paniert und in der Pfanne anschließend gebraten.
So weit so gut. Trotz intensivster Bemühungen auf dem Fischmarkt frische Sardinen zu bekommen, blieb es dabei. Doch wir sorgten für Ersatz, keine Sardinen, dafür frisch gefangene Doraden, die Elfi nach Werners mühseligem Entschuppen köstlichst zuzubereiten wusste. Der Ziegen-Streichkäse kam nicht zum Einsatz. Doch, und das sei hier besonders lobend erwähnt, zeigte Vera von der CARIBIA die uns allen fehlende Begeisterung, diesen Käse zu verspeisen – und trotzdem blieb noch ein Topf über.
 
Fischgeschäft

ein gut sortiertes Fischgeschäft,  nur Sardinen gabs nicht  

 
Kaum war die Hälfte der Reisezeit vorbei. segelten wir zurück an die Südspitze Korsikas, nach Bonifacio, der südlichsten Stadt Frankreichs, mit der größten Zitadelle auf der Insel. Auf Kreidefelsen erbaut, zeigt sich diese alte Stadt, die von dem toskanischen Grafen Bonifacio di Lucca 828 n.Chr. gegründet, schon von Weitem aus über 60 Meter Höhe dem Segler. Weithin sichtbar die vom Meer her aufsteigende König-Aragon-Treppe, die angeblich in einer Nacht auf Befehl von Alfons V von Aragon bei einer Belagerung in die Felswand gehauen wurde.
 

Bonifacio,  auf steilem Felsen gebaut   (Foto: Korsika-Info)  

 
Nur noch wenige Tage blieben. Bei gutem Wetter (nur 1 Tag Regen) und dem besten Wind zum Segeln steuerten wir die Hoheitsgewässer Sardiniens wieder an. Die vorletzte Etappe hieß Cannigione, etwas südlich von Palau in einer tiefen Bucht gelegen. Zwar war kein Hafenmeister dort und die Marina im Umbau begriffen, haben wir hier doch die höchste Hafengebühr auf der gesamten Strecke bezahlt. Als ob das es nicht reichen würde, erhielten alle in der Abenddämmerung reichlichst Stiche von Moskitos, die auch in Düsseldorf noch zu sehen sein dürften.
 
Steilküste bei Bonifacio

Steilküste bei Bonifacio von der Altstadt gesehen  

 
Alles nimmt bekanntlich mal ein Ende, so auch dieser Törn. Viele Eindrücke wurden gesammelt, manch Neues über das Segeln gelernt (Logge reinigen / Münchner Manöver). Ich glaube für alle hier schreiben zu können, dass es ein gelungener, unterhaltsamer und wunderschöner Segeltörn gewesen ist. Doch dies wäre nicht möglich, wenn da von Markus Glasmacher, unserem Fahrtenseglerwart der SKU, gemeinsam mit den Skippern Thomas Wutscherk und Klaus Müller keine so ausgezeichnete Vorbereitung dazu geleistet worden wäre. Ein besonderer Dank geht an unsere „Bord-Ärztin“ Gabi, die uns auf der Fahrt zeigen konnte, dass wir im Notfall in guten Händen waren.
So ist dieser Bericht auch unserem Unfallopfer Hubert gewidmet, der uns auf dem ganzen Törn gedanklich begleitet hat.  Wir wünschen ihm alle recht baldige Genesung.

Werner "Caos" Grutz  
 
die Crew
die  Crew   
Unsere Stationen in den 14 Tagen: 
hin: 
Heimathafen Marina Porto Portisco – Isola Caprera/Porto Palma –
Isola de Maddalena/Cala Gavetta – Isola Razzoli/Cala G. Marino –
Cala de Tizzano – Anse de la Castagna – Ajaccio – Sagone – Cargèse
zurück: 
Porto Pollo – Golf de Murtoli – Anse de Roccapina – Bonifacio –
Isola Razzoli/Cala G. Marino – Cannigione –
Isola Caprera/Porto Palma und Cala Portese – Marina Porto Portisco.
 
Bei ca. 344 Seemeilen überwiegend gesegelt.
Verbrauch:  ca. 42 Liter Diesel für den Yanmar-Motor mit 75 PS.
 
traumhaftes Segelrevier
 
Es war ein traumhaftes Segelrevier ! 
 

 
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